Von Papisten und Lutherböcken

Am Montag, den 20. März, hielt der Journalist Reinhard Brockmann in der Kaiser-Karls-Trinkhalle einen lebendigen Vortrag über den Verlauf der Reformation in unserer Region.

Reinhard Brockmann kurz vor Beginn seines Vortrags.
Reinhard Brockmann kurz vor Beginn seines Vortrags.

Vor 500 Jahren begann mit dem Thesenanschlag gegen den Ablaßhandel von Martin Luther an der Wittenberger Schloßkirche die Zeit der Reformation. Reinhard Brockmann schilderte an Hand vieler Zitate und Bilder das erste Jahrhundert der Reformation rund um Paderborn. Dieses war von einem ständigen hin und her zwischen der katholischen und der lutherischen Lehre gekennzeichnet. Dabei ging es den damals Beteiligten oft sicherlich weniger um die „richtige“ Theologie, sondern eher um soziale Fragen und um die Freiheitsrechte der Bürger.

1526 kam es in Paderborn zu einer ersten evangelischen Predigt durch den Hofkaplan des Kurfürsten Johann Friedrich I. von Sachsen, der sog. Paderborner „Fensterpredigt“. In den folgenden Jahren schlossen sich immer mehr Paderborner der neuen Lehre an, besonders unterstützt durch das heute nicht mehr vorhandene Minoritenkloster. 1532 forderten 300 evangelische Männer, die eine „Schwurvereinigung“ gebildet hatten, dass ihnen die Gaukirche und die damalige Marktkirche für ihren Glauben überlassen werden. Diese reformatorischen Bestrebungen wurden jedoch 1532 durch Hermann von Wied zunichte gemacht. 1545 trat Hermann von Wied jedoch selbst zum lutherischen Glauben über und die Paderborner Bürger konnten wieder frei ihre Religion wählen. Die örtliche Macht blieb jedoch in Händen des katholischen Domkapitels.

So ging es in den Folgejahren hin und her. In Paderborn wurde in den Kirchen katholisch gepredigt, doch viele Paderborner zog es jeden Sonntag in das reformierte Schlangen. Diese Wanderungen dürften auch an den Lippspringer Bürgern nicht spurlos vorbei gegangen sein. Die Stadt stand zwar einerseits unter dem Schutz des Paderborner Domkapitels und der katholischen Burgherren, andererseits gibt es jedoch historische Quellen, die zeigen, das es auch in Bad Lippspringe zu jener Zeit evangelische Prediger gegeben hat. Nachgewiesen ist, dass die erste Lippspringer Kirche von 1437 im Jahr 1599 abgerissen wurde und durch eine neue Kirche, von der heute noch Teile des Portals erhalten sind, 1600 neu erbaut wurde. So heisst es in einer Quelle, diese Kirche sei von „Akatholiken“ gebaut worden, die früher übliche Bzeichnung für „Nicht-Katholiken“, also evangelische. Über die Hintergründe dieses Neubaus ist heute jedoch nichts mehr bekannt. Er geschah jedoch in einer Zeit, in der die Evangelischen in Paderborn neuen Aufschwung erhielten. 1604 wurde in der Stadt Liborius Wichard zum ersten evangelischen Bürgermeister gewählt, auch wenn er noch im gleichen Jahr durch durch die Truppen unter Führung Dietrich von Fürstenberg in Paderborn abgesetzt und gevierteilt. Über Bad Lippspringe wird berichtet, dass hier von 1605 bis 1609 noch ein „entsprungenes Mönchlein“ evangelisch gepredigt hat. Erst durch Amtmann Moller wurden 1610 die Lippspringer von der „lutherischen Irrlehre zurück zum wahren katholischen Glauben“ geführt. Noch 1689 schrieb Pfarrer Oisthaus, das in der Martinskirche „keine Zeichen von Konsekration“ zu finden seien (was bedeutende würde, dass der Neubau tatsächlich „evangelisch“ erfolgte und nicht nach katholischer Weihe.)

Mehr zur Geschichte der christlichen Kirchen in unserer Stadt können Sie übrigens in dem leider nur noch antiquarisch erhältlichem Buch „Bad Lippspringe – Beiträge zur Geschichte“, Herausgegeben von der Stadt Bad Lippspringe und dem Heimatverein, erschienen im Bonifatius Verlag 1995 mit der ISBN-Nummer 978-3870887407 lesen.

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